Warum die Notation unverzichtbar ist
Wer zum ersten Mal ein Turnier spielt, sei es im Verein oder bei einem offenen Bewerb, merkt schnell: Ohne Notation geht es nicht. Die algebraische Notation ist das weltweite Standardsystem zum Aufschreiben von Schachpartien. Mit ihr öffnet sich ein riesiges Universum: Sie können Schachbücher lesen, historische Partien analysieren, Ihre eigenen Partien zur Nachbereitung speichern und an jedem offiziellen Turnier teilnehmen, bei dem ab einem gewissen Niveau das Mitschreiben Pflicht ist.
Ohne Notation ist Schach ein flüchtiges Spiel. Mit der Notation wird jede Partie zu einem Werk, das weitergegeben, analysiert und noch nach Jahrhunderten bewundert werden kann. Dank ihr können wir heute die Partien von Morphy, Aljechin oder Tal bis ins kleinste Detail nachspielen.
Das Koordinatensystem: die Felder benennen
Das Schachbrett ist ein Raster von 8×8 = 64 Feldern. In der algebraischen Notation trägt jedes Feld eine Koordinate aus einem Buchstaben (Linie) und einer Zahl (Reihe):
Linien (Spalten): Die 8 Linien werden von links nach rechts (aus Sicht von Weiß) benannt: a, b, c, d, e, f, g, h.
Reihen: Die 8 Reihen werden von unten nach oben (aus Sicht von Weiß) nummeriert: 1 (Grundreihe von Weiß) bis 8 (Grundreihe von Schwarz).
So heißt das Feld in der linken unteren Ecke (Weiß) a1. Das Feld in der rechten oberen Ecke ist h8. Der weiße König beginnt auf e1, der schwarze König auf e8.
Die Figuren benennen
Jede Figur wird durch einen Großbuchstaben bezeichnet. Die Konventionen unterscheiden sich je nach Sprache, im Deutschen verwendet man:
| Figur | Buchstabe (Deutsch) | Buchstabe EN (PGN) | Symbol |
|---|---|---|---|
| König | K | K | ♔♚ |
| Dame | D | Q | ♕♛ |
| Turm | T | R | ♖♜ |
| Läufer | L | B | ♗♝ |
| Springer | S | N | ♘♞ |
| Bauer | (kein Buchstabe) | (kein Buchstabe) | ♙♟ |
PGN-Format: Das PGN-Format (Portable Game Notation) ist der internationale Computerstandard zum Speichern von Partien. Es verwendet die englischen Buchstaben (K, Q, R, B, N). Laden Sie eine Partie von Chess.com oder Lichess herunter, erhalten Sie genau dieses Format. Alle Analyseprogramme können PGN lesen.
Einen Zug schreiben
Die Notation eines Zuges gibt an, welche Figur sich bewegt und auf welches Feld:
Format: [Figur][Zielfeld]
Beispiele: Sf3 = Springer geht nach f3. Le5 = Läufer geht nach e5. Dd4 = Dame geht nach d4.
Bei Bauern notiert man nur das Zielfeld: e4 = der Bauer geht nach e4.
Die Sonderfälle
Schlagen: Man verwendet das Zeichen × (oder x). Sxe5 = der Springer schlägt die Figur auf e5. Bei einem Bauern: exd5 = der Bauer von der e-Linie schlägt auf d5 (die Ausgangslinie wird angegeben).
Mehrdeutigkeit: Können zwei gleichartige Figuren auf dasselbe Feld ziehen, gibt man die Ausgangslinie oder -reihe an. Sfd2 = der Springer von der f-Linie (nicht der andere) geht nach d2. S1d2 = der Springer, der auf der Reihe 1 stand.
Schach: Das Zeichen + folgt dem Zug. Dh5+ = die Dame geht nach h5 und gibt Schach.
Schachmatt: Das Zeichen # folgt dem Zug. Dh7# = die Dame auf h7 setzt matt.
Kurze Rochade: 0-0 (auf der Königsseite).
Lange Rochade: 0-0-0 (auf der Damenseite).
Umwandlung: Das Feld, gefolgt von der Figur. e8=D = der Bauer geht nach e8 und verwandelt sich in eine Dame.
Eine vollständige Partie lesen
In einer notierten Partie wechseln sich weiße und schwarze Züge unter fortlaufenden Nummern ab. Als Beispiel dient die Unsterbliche Partie (Anderssen–Kieseritzky, London 1851), ein klassisches Beispiel einer brillanten Kombination:
Die Anmerkungssymbole
Kommentatoren bewerten Züge und Stellungen mit herkömmlichen Symbolen:
| Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| ! | Guter Zug |
| !! | Brillanter Zug, Opfer oder außergewöhnliche Idee |
| ? | Fehler |
| ?? | Patzer, schwerer Fehler |
| !? | Interessanter Zug, riskant, aber beachtenswert |
| ?! | Zweifelhafter Zug, wahrscheinlich schwächer |
| ± | Weiß steht etwas besser |
| ∓ | Schwarz steht etwas besser |
| = | Ausgeglichene Stellung |
| ∞ | Unklare Stellung, schwer zu bewerten |
Die lange Notation: eine ausdrücklichere Alternative
Die lange Notation (oder lange algebraische Notation) nennt sowohl das Ausgangs- als auch das Zielfeld und macht so jeden Zug völlig eindeutig: e2-e4, Sg1-f3, Lc4xb5. In modernen Veröffentlichungen ist sie seltener, in manchen Programmen und pädagogischen Zusammenhängen kommt sie aber weiterhin zum Einsatz.
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